13 Aug. WE ARE TO LOVE
WE ARE TO LOVE
von Mike Kuhlmann
An alle, die dies lesen,
an alle, die sich noch als Menschen begreifen,
an alle, die ahnen, dass wir nicht mehr viel Zeit haben:
Wir stehen an einer Schwelle.
Nicht an einer politischen, nicht an einer technologischen –
an einer existenziellen.
Unsere Zivilisation ist eine gewaltige Maschine geworden,
die schneller läuft, als wir sie begreifen können.
Wir haben Werkzeuge erschaffen,
die unsere Reichweite ins Unendliche verlängern,
aber wir haben nicht die emotionale Intelligenz entwickelt,
um sie verantwortungsvoll zu führen.
Wir sind biologisch homo sapiens –
doch psychologisch verharren wir oft auf halber Strecke:
brillant im Erfinden, primitiv im Empfinden.
Darum entgleitet uns der Sinn unseres Fortschritts.
Das fehlende Glied ist die Liebe.
Nicht als romantisches Gefühl –
sondern als funktionales Prinzip.
Liebe ist die Fähigkeit, das Selbst so zu erweitern,
dass das Wohl des Anderen Teil des eigenen Wohls wird.
Evolutionär gesehen war das unser Quantensprung.
Ohne Bindung, Fürsorge und Opferbereitschaft
gäbe es keine Kultur, keine Sprache, keine Zukunft.
Heute wissen wir:
Kooperation ist der stabilste Mechanismus in komplexen Systemen.
Sie schlägt Konkurrenz,
wenn es um nachhaltiges Überleben geht.
Liebe ist nichts weniger als die Systemsoftware des Menschseins.
Aber wir handeln, als sei sie optional.
Wir investieren in Waffen, aber nicht in Weisheit.
Wir perfektionieren Algorithmen,
aber nicht die Ethik, die sie leiten soll.
Wir optimieren unser „Ich“,
aber nicht unser „Wir“.
Wenn wir den nächsten Schritt nicht gehen –
vom homo sapiens zum homo amori –
werden wir die Katastrophen, die wir selbst heraufbeschworen haben,
nicht überleben.
WE ARE TO LOVE
ist kein Slogan.
Es ist eine biologische, soziale und kosmische Notwendigkeit.
Liebe ist die Gravitation des Bewusstseins –
ohne sie zerfällt jede Gemeinschaft, jede Zivilisation,
und am Ende auch der Mensch selbst.
Ich schreibe dies nicht, um zu appellieren.
Ich schreibe, um zu erinnern:
Liebe ist das Einzige,
was uns als Menschheit vor dem Vergessen bewahrt.
Und die Zeit, dies zu begreifen, ist nicht „irgendwann“.
Sie ist jetzt.
Mike Kuhlmann
Frankfurt am Main
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