01 Juli 4,2 Milliarden D-Mark für eine Mark, die keiner ausgeben darf
4,2 Milliarden D-Mark – ein Bild hängt schief, aber aufrecht
Zum 35. Jubiläum der Währungsunion
Von Mike Kuhlmann
Im Rathaus von Mülheim an der Ruhr hängt ein Bild. Es zeigt Geld. Oder besser gesagt: das, was davon übrig ist, wenn man es für Erinnerung, Verantwortung und Stadtfinanzen zusammenzählt und durch Kunst teilt. Das Werk heißt: Die Mölmsche Mark.
Ich habe es 2020 verschenkt. Damals, als niemand wusste, ob man sich noch die Hand geben darf und die Museen geschlossen waren, weil Nähe plötzlich tödlich war.¹ Und weil fast nichts mehr ging – außer Denken – durfte dieses Bild in den Amtssaal.
Mit einer Bedingung.
Es darf nur verkauft werden, wenn jemand bereit ist, 4,2 Milliarden D-Mark zu zahlen.
Und: Der gesamte Erlös muss zur Schuldentilgung verwendet werden. Keine Kunstförderung, kein Prestigeprojekt, keine Kaffeeküche für das neue Kreativquartier. Nur: Schulden. Weg.
Was absurd klingt, ist natürlich gemeint.² Die Summe entspricht der damaligen Verschuldung der Stadt. Das Bild ist eine artifizielle Bilanz, eine haushaltspolitische Utopie auf Leinwand – oder, je nach Blickwinkel, ein Scherz mit sehr ernstem Kern.³
Parallel überreichte ich dem NRW-Finanzministerium ein zweites Werk: die NRW Mark. Ein Dank in Landesfarben – nicht für Fördertöpfe, sondern für Haltung. Sie hängt dort noch heute. Und das ist keine Anekdote, das ist eine Tatsache.
Die Deutsche Mark war 1990 ein Symbol.
Der Euro ist heute ein System.
Kunst ist beides nicht – aber sie kann fragen, was von Symbolen bleibt, wenn Systeme versagen.
Fußnoten
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Was ironisch ist, weil Kunst gerade in der Pandemie mehr Nähe erzeugt hat als alles andere.
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Also wirklich gemeint.
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Man könnte auch sagen: eine fiskalische Fabel.
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